IWF-Bericht

Drei Wege gegen Ungleichheit

Lesezeit:
3 minuten

1 November 2017
Wie lässt sich die wachsende Schere zwischen Arm und Reich effektiv schließen? Der Internationale Währungsfonds diskutiert in einem seiner aktuellen Berichte gleich drei Möglichkeiten – darunter auch ein bedingungsloses Grundeinkommen

Jeder geht jetzt einmal im Geiste das persönliche Umfeld durch und überlegt, wer von Familie, Freunden und Kollegen im letzten Jahr das eigene Vermögen um tolle 17 Prozent steigern konnte – vom Einkommen ganz zu schweigen. Nicht so viele, oder? Liegt vielleicht auch daran, dass nur wenige von uns Milliardäre im Bekanntenkreis haben. Denn der aktuelle Milliardärsbericht der Schweizer Bank UBS und der Wirtschaftsprüfer von PwC bescheinigt den Menschen mit mindestens zehnstelligem Kontostand ein Vermögenswachstum von allein 17 Prozent in 2016.

Das für sich ist noch nicht weiter schlimm. Wenn gleichzeitig die Löhne der untersten Einkommens- und Vermögensschicht aber nur marginal steigen oder stagnieren, kippt die Waage wortwörtlich – es stellt sich eine zunehmende Ungleichheit zwischen Arm und Reich ein.

Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) bereitet diese Entwicklung anscheinend Sorgen. Zumindest widmet die Institution ihren neuesten Fiscal Monitor, der halbjährlich erscheint, dem Thema Ungleichheit – und wie sie eingedämmt werden kann. Konkret hat der IWF drei Wege für mehr Gerechtigkeit bei Einkommen und Vermögen untersucht.

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Der erste ist recht schnell erklärt und sollte sich jedem erschließen: Mit einem besseren Zugang zu Bildung und Gesundheit lässt sich so ziemlich in allen Ländern die Lücke zwischen Arm und Reich von unten her schließen. Das helfe außerdem, Ungleichheit in anderen Bereichen wie zwischen Geschlechtern oder Regionen abzubauen.

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Höhere Steuern für Gutverdiener

Die zweite Überlegung des IWF setzt dort an, wo das Geld sitzt: ganz oben. Es ist recht breiter Konsens, dass Menschen mit sehr hohen Einkommen auch prozentual höhere Steuern bezahlen sollten – das Zauberwort lautet „abnehmender Grenznutzen“. Heißt vereinfacht gesagt, dass der erste verdiente Euro mehr Wert ist als der dreitausendste, da letzterer nicht mehr für Brötchen und Miete draufgehen muss, sondern in Luxus investiert werden kann. Die große Streitfrage ist nur, wie hoch dürfen die Steuern gehen?

Ein Argument gegen eine höhere (prozentuale) Belastung von Gutverdienern und Reichen, das oft vorgebracht wird – und mit dem sich auch der IWF eingehend beschäftigt hat –, ist die Gefahr eines sinkenden Wirtschaftswachstums. Klar, je weniger Geld an den Staat fließt, desto mehr kann in der Wirtschaft investiert werden, könnte man meinen.

Der IWF gibt aber Entwarnung. Solange hohe Einkommen nicht exzessiv besteuert werden, braucht man sich keine Sorge um das so wichtige BIP machen. Kurz gesagt: Höhere Steuern für Gutverdiener haben keinen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum.

In vielen entwickelten Wirtschaften sieht der IWF sogar einiges Potenzial für Steuererhöhungen bei den bestverdienenden Prozenten der Bevölkerung. Genauso sei noch viel Luft nach oben bei Vermögens-, Land- und Kapitalertragsteuern. Entwicklungsländer hingegen sollten vorrangig auf indirekte Steuern setzen, vor allem auf Luxusgüter und solche mit negativen externen Effekten wie auf fossile Brennstoffe, Alkohol und Zigaretten.

Senkt ein bedingungsloses Grundeinkommen die Ungleichheit?

Doch wenn man sich schon einmal ganz oben umschaut – wieso dann nicht auch ganz unten? Womit wir auch schon beim dritten und letzten Weg gegen Ungleichheit wären, den der IWF in seinem Fiscal Monitor diskutiert: ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE). Der Währungsfonds wägt die bekannten Argumente von Befürwortern und Gegnern ab und stellt dann die Frage, ob und was ein BGE bringen würde. Das Ergebnis ist recht uneindeutig; es kommt halt darauf an.

So würde ein Grundeinkommen in hoch entwickelten Wirtschaften bereits existente, breite soziale Sicherungssystemen ersetzen – was wiederum besonders die Ärmsten trifft und die Ungleichheit letztlich sogar erhöhen könnte. Der IWF empfiehlt hier, statt eines BGE eher Lücken in den Systemen zu schließen und Funktionierendes verstärkt zu fördern.

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Anders sieht die Situation in Entwicklungsländern aus: Dort könne ein BGE auch kurzfristig die sozialen Netze stärken. Für den langfristigen Erfolg komme es dann auf eine gesicherte und nachhaltige Finanzierung an, beispielsweise über höhere Konsumsteuern.

Die Argumentation des IWF in Sachen BGE lässt sich letztlich so zusammenfassen: Ein BGE ist möglich, nicht immer sinnvoll und muss mit Bedacht eingeführt werden. Es kostet den Staat zwischen drei und sieben Prozent des BIP – würde letztlich aber wahrscheinlich in allen Ländern die Ungleichheit zwischen Arm und Reich verringern.

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